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Eschbachtalsperre
Wer heute von der Autobahn 1 abfährt um am Rasthaus "Remscheid" halt zu machen, sollte einen Abstecher zur nahe gelegenen Eschbach-Talsperre unternehmen.
Die weit über hundert Jahre alte Anlage ist nämlich Deutschlands älteste Trinkwassertalsperre überhaupt. Auf einem 4 km langem Waldlehrpfad entlang des Sees durch reizvolle Mischwälder lässt sich die Anlage innerhalb einer Stunde wanderisch entdecken.
Die Geschichte der Sperre beginnt bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Stadt Remscheid ist zwar reich an Bächen und Wasserläufen, dennoch litt die Stadt aufgrund ihrer Berglage seit jeher an Trinkwassermangel. Zwar konnte bis 1800 der Wasserbedarf über Brunnen und in Zeiten der Trockenheit aus Brandteichen gedeckt werden, doch das explosionsartige Bevölkerungswachstum während der Industrialisierung führte zunehmend zu Engpässen.
Robert Böker, Leiter des städtischen Gaswerkes in Remscheid, hatte deshalb die Errichtung eines ersten Wasserwerkes für Remscheid angeregt: 1884 wurde die aus Brunnen gespeiste Wasserversorgungsanlage in Betrieb genommen. Doch auch die neue Anlage reichte bald nicht mehr aus, um die große Anzahl von angeschlossenen Haushalten am Wasserleitungsnetz zu versorgen. Gleichzeitig beeinträchtigten jedoch die großen Wassermengen während der Regenzeit die Mühlen, Schleifkotten und Wasserhämmer, weshalb sie oft wochenlang stillstehen mussten.
Nachdem der Sommer 1887 besonders trocken war, beschloss man den Bau einer Sperranlage am Eschbach. Von 1889 bis 1891 wurde die gewaltige Mauer mit einer Dicke von 14,5 Meter an der kräftigsten und 4 Meter an der dünnsten Stelle errichtet. Mit der 160 m langen Sperrmauer wurde das Eschbachtal zu einem 17 Meter tiefen Becken aufgestaut.
Seither lagern eine Millionen Kubikmeter Wasser in der Sperre. Was einigen Menschen damals bedrohlich und gigantisch schien, wirkt heute eher klein und idyllisch. Denn die Eschbachtalsperre war der Auftakt zu einer Serie von Folgebauten in ganz Deutschland: immer größere und kühnere Staumauern wurden errichtet.
Auch wenn der Anlage heute der freistehende Turm zur Wasserentnahme und zwei weitere pavillonartigen Aufbauten fehlen, ist die Staumauer noch ein kraftvolles Dokument der Pionierleistung im Talsperrenbau.
Jörg Himmelreich, Wuppertal



