Wohnsiedlung "Auf’m Heidchen"

Ab 1930 entstand in Remscheid die Wohnsiedlung "Auf´m Heidchen". Diese Siedlung weist einige Besonderheiten auf, die dem Betrachter nicht auf den ersten Blick deutlich werden, weil sie zum einen in der Entstehungsgeschichte der Siedlung verborgen und zum anderen hinter dem Fassadenanstrich der Gebäude versteckt liegen:

Die Siedlung wurde von arbeitslosen Familien in Selbsthilfe errichtet. Die besondere Konstruktion in Lehmbauweise ermöglichte die Mithilfe der ganzen Familie beim Hausbau. Die Baukosten hielten sich in Grenzen. Der Lehm, der aus den Baugruben der Häuser stammte, wurde dabei zu sogenannten "Lehmbroten" geformt, die, nachdem sie getrocknet waren, unter den bereits vorher aufgerichteten Dachstühlen zu Hauswänden aufgeschichtet wurden. Diese etwas kurios anmutende Bauweise geht auf die Arbeit des Pastors Gustav von Bodelschwingh zurück. Die Lehmbrotbauweise hatte Bodelschwingh in Afrika kennen gelernt, mit der deutschen Fachwerkbauweise kombiniert und weiterentwickelt.

Ab 1930 entstanden in Remscheid allein vier solcher Wohnsiedlungen. Bauleiter im eigentlichen Sinne gab es nicht. Vielmehr gaben Arbeitslose, die zuvor beim Bau anderer Siedlungen Fachkenntnisse erworben hatten, ihr Wissen beim Bau neuer Siedlungen an die Bauwilligen weiter. Damit hatte der Siedlungsbau gleichzeitig auch einen Qualifizierungseffekt, da die Bauherren praktisch eine Ausbildung zum Bauhandwerker erhielten. Die Finanzierung der Bauten erfolgte durch staatliche Darlehen und die Vergabe preisgünstigen Baulands durch die Kommunen.

Ein weiterer Vorteil der Bauweise nützt den Bewohnern der Häuser noch heute: Wie eine natürliche "Klimaanlage" schützt der Lehm die Wohnungen im Sommer vor der Hitze von außen und speichert im Winter die Wärme im Gebäude.

 

Dr. Arno Mersmann, Wuppertal

Zuerst wurden die Dachstühle errichtet...