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Wohnhaus der Konsumgenossenschaft "Einigkeit"
Im Bergischen Land waren im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts die Konsumgenossenschaften der Arbeiter weit verbreitet. Sie kauften in großen Mengen und damit zu günstigen Preisen Waren ein und verkauften diese in den Genossenschaftsläden ebenso preisgünstig an ihre Mitglieder. Doch sie fungierten nicht ausschließlich als Abgabestellen für Lebensmittel. Vielmehr versuchten sie ganz allgemein, den Lebensstandard ihrer Mitglieder zu heben, wozu z.B. auch der Bau von Wohnungen gehörte. Darüber hinaus waren die Genossenschaftsläden die Anlaufstellen für die Mitglieder, wenn es um soziale Leistungen ging. Hier konnten Versicherungen abgeschlossen werden, und in den Krisenzeiten Anfang der 30er Jahre wurden kostenlos Lebensmittel an erwerbslose Mitglieder abgegeben. Die Genossenschaftsläden waren auch Treffpunkt: Regelmäßig fanden hier die Versammlungen der Mitglieder des Konsumvereins statt. Auf diesem Weg konnten sie Einfluss auf die Arbeit der Konsumgenossenschaft nehmen. Schließlich boten die Läden auch Räume für die Freizeitgestaltung und es wurden Kulturveranstaltungen angeboten.
Das Gebäude in der Oststraße 2 in Remscheid ist ein solcher Genossenschaftsbau. Es wurde im Jahr 1927 von der Konsumgenossenschaft "Einigkeit" errichtet und beherbergte einen Genossenschaftsladen und Wohnungen. Heute ist es ein normales Wohnhaus, in den Räumen des ehemaligen Ladens befindet sich eine Gaststätte. Ein Hinweis auf die bewegte Vergangenheit in den Zeiten der Arbeiterbewegung im Bergischen Land ist der Schriftzug "Einigkeit" an der Fassade des Gebäudes. Dies ist eine Besonderheit, da alle anderen Schriftzüge, die an Genossenschaftseinrichtungen im Bergischen Land angebracht waren, zerstört wurden. Zu einem kleinen Teil geschah dies in der Zeit des dritten Reiches, zum größeren Teil wurden die Beschriftungen in der Nachkriegszeit entfernt, da sie nicht mehr "modern" waren.
Dr. Arno Mersmann, Wuppertal


