Teo-Otto-Theater in Remscheid

Das Stadttheater zählt zu den qualitätvollen Leistungen der Remscheider 1950er Jahre Architektur und besitzt Zeugnischarakter als frühes Objekt der Nachkriegsarchitektur. Der Entschluss zum Neubau (z.T. unter Einbeziehung von Mauerresten des Vorgängerbaus "Concordia") ist Ausdruck des hohen Stellenwertes und der Bedeutung für die Remscheider Bevölkerung. Denn die dringendste Bauaufgabe bestand in jener Zeit nicht im Theaterbau, sondern im Wohnungsbau. Selbst der Wiederaufbau des Remscheider Rathauses wurde erst später abgeschlossen.

Bei dem Stadttheater paaren sich gestalterische Qualität, stadträumliche Zusammenhänge im Hinblick auf seine spezifische, stadtgeschichtliche Bedeutung und eine Verbundenheit mit der Tradition und der Historie des Ortes. Es dokumentiert die Würde der baulichen Anfänge nach dem Bombenkrieg in Remscheid.

Bereits 1952 wurde mit einem ersten Bauabschnitt nach Plänen des Architekten Ernst Huhn aus Düsseldorf begonnen. Ernst Huhn baute mit Paul Bonatz und Julius Schulte-Frohlinde in den Jahren 1954 - 1956 die "Deutsche Oper am Rhein" in Düsseldorf, eines der wichtigsten Musiktheater Westdeutschlands. In der architektonischen Konzeption und vielen Details sind Übereinstimmungen mit dem Remscheider Erstwerk zu erkennen.

Das Raster der Werksteinfassade gliedert in sachlich kühler Form den zentralen zweigeschossigen Mittelbau. Nebengebäude, als solche schon durch ihre geringere Höhe erkennbar, ordnen sich seitlich bei. Ein besonderes Spannungsverhältnis entwickelt sich zwischen dem Außen und dem Innen. Der "Architektur der Bescheidenheit" wird ein elegantes Interieur entgegengesetzt. Dies zeigt sich beispielhaft an:

  • den geschwungenen Treppen im Erdgeschoss und den großzügigen Wendeltreppen zum oberen Foyer
  • der Zonierung des Erdgeschosses durch unterschiedliche Niveaus
  • dem offenen Raumcharakter durch filigran eingestellte Glaselemente
  • der aparten Farbigkeit
  • der kunstvollen Lichtinszenierung
  • den kontrastreichen Blickwinkel
  • dem klaren Design des Mobiliars und der Leuchten.

Das Teo-Otto-Theater ( Theo Otto: in Remscheid geborener Bühnenbildner, 1904 - 1968) wurde am 11.01.2000 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.Seit der Unterschutzstellung wurden und werden in intensiven Abstimmungsprozessen denkmalverträgliche und ganzheitliche Lösungen für die Umgestaltung der Theaterkasse, die Installierung eines neuen, seitlichen Windfanges, die Modernisierung der Theken und Garderobenräume und die auf restauratorischem Befund beruhende Wiedergewinnung der originalen Farbfassung angestrebt.

Zum Beginn der aktuellen Spielzeit 2002/2003 wird nun der erste Bauabschnitt, der Maßnahmen im Obergeschoss und im Zuschauerraum zum Ziel hatte, abgeschlossen. Mit Spannung darf erwartet werden, wie die Resonanz bei den Besuchern zur Farbfassung von Wand- und Deckenoberflächen sowie Vorhängen und dem rekonstruierten Mobiliar sein wird.

 

Angela Koch, Remscheid